Die Familie der Nattern (Colubridae)
Die Nattern sind unter den Schlangen die am weitesten verbreitetste Familie. Auf fast jedem Kontinent der Erde kann man ihre Vertreter finden. Mehr als die Hälfte der Schlangenarten, die heute existent sind, gehören zu den Nattern. Dabei gibt es sowohl sehr giftige als auch vollkommen harmlose Vertreter.
Dieser Artikel soll Ihnen einen Überblick über diese faszinierende Familie der Schlangen bieten. Deshalb zeigen wir Ihnen hier unter anderem, wie Nattern aussehen, wo sie leben und wovon sie sich ernähren.
Inhaltsverzeichnis
Das Aussehen der Nattern
Der Körper der Nattern ist mit relativ großen Schuppen bedeckt und zeichnet sich durch einen besonders langen Schwanz und eine schlanke Körperform aus. Ebenfalls besonders lang sind die Oberkieferknochen der Nattern. Diese können die Schlangen aber nicht, wie zum Beispiel die Vipern, in eine zum Gesichtsschädel senkrechte Stellung bringen. Die Färbung der Nattern kann sehr unterschiedlich sein.
Farbe
Es gibt Varianten mit schwarzen, roten, braunen, grünen, grauen, gelben oder sogar vollkommen weißen Färbungen. Auch komplizierte Muster sind möglich. Manche Schlangen haben ein ganzes Farbspektrum zu bieten. Auch Streifen und charakteristische Flecken kommen vor.
Besonders reizvoll ist die Farbgebung der Mangroven-Nachtbaumnatter. Diese besitzt eine tintenschwarze Grundfarbe, die von einem geradezu grellen Gelb durchbrochen wird.
By Cymothoa exigua (Own work) [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons
Der Bauch ist bei den meisten Arten der Nattern unauffälliger. Hier herrschen zurückhaltende Grau-, Braun- und Cremetöne vor.
Körperbau und Größe
Nattern besitzen einen langen, schlauchförmigen Körper, an dessen Ende der Kopf klar zu erkennen ist. Allerdings haben sie im Vergleich zu anderen Familien einen ungewöhnlich langen Schwanz und außerdem runde oder ovale Pupillen. Weiterhin sind die Augen der Nattern im Allgemeinen relativ groß, ebenso wie ihre Schuppen. Das trifft insbesondere auf die am Bauch platzierten Schuppen zu.
In sehr seltenen Fällen werden Nattern bis zu 4 Meter lang. Normal sind aber eher Längen um einen Meter herum. Es gibt aber auch sehr kleine Arten. Hier muss man besonders die Längsgepunktete Zwergnatter nennen, die nur eine Länge von 20 bis 30 Zentimetern erreicht. Trotz der teilweise recht beachtlichen Längen ist das Gewicht der Schlangen auf Grund ihrer Form relativ gering. Bei einer Länge von zwei Metern darf man etwa mit 500 Gramm rechnen.
Nicht alle Nattern besitzen Giftzähne. Hierbei wird in „Echte Nattern“, die keine Giftzähne besitzen und in Trugnattern unterschieden. Deren Giftzähne befinden sich im hinteren Teil des Oberkiefers.
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Verbreitung und Lebensraum
Mit Ausnahme des Meeres und einigen Inseln wie Island, konnten die Nattern alle für Reptilien zugänglichen Biotope für sich erobern. Eine weitere Ausnahme bilden die Polarregionen, da es dort für die Schlangen deutlich zu kalt ist. Aber selbst im Norden sind die Nattern relativ weit verbreitet und dringen bis nach Alaska vor.

By Judy Gallagher [ CC BY 2.0], via Wikimedia Commons
Am häufigsten sind sie natürlich in den tropischen Regionen, wie so viele andere Vertreter der Flora und Fauna auch. Das ist insbesondere damit zu begründen, dass sie Kaltblüter sind. Das heißt, dass sich ihre Körpertemperatur der Umgebung anpasst. Ist die Umgebung kälter, dann sind die Schlangen auch weniger aktiv, bis sie schließlich unterhalb einer bestimmten Durchschnittstemperatur nicht mehr überleben können.
Insgesamt gibt es etwa 2000 unterschiedliche Nattern. Diese sind in fast jeder Art von Lebensraum zu finden. Zum Beispiel können sie in Wüsten und im Gebirge auf bis zu 3000 Meter Höhe überleben. Weiterhin besiedeln sie die Wälder der gemäßigten, der subtropischen und der tropischen Klimazone. In Graslandschaften, wie zum Beispiel Steppen, Prärien und Savannen, kommen sie ebenfalls vor. Selbst Gewässer wie Sümpfe, Seen und Meere sind für Nattern ein häufiger Lebensraum. Auch in der Nähe menschlicher Besiedlungen fühlen sich einige Nattern wohl. Als Beispiel kann hier die Kornnatter erwähnt werden, die gerne in Getreidefeldern lebt und dort Mäuse jagt.
Auf Neuseeland gab es ursprünglich keine Nattern, bis diese dort vom Menschen freigesetzt wurden. Dies ist für viele Umweltschützer ein Ärgernis, weil sie eine große Bedrohung für die nur dort vorkommenden Kiwis darstellen.
Verbreitung in Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland und Österreich leben vier unterschiedliche Arten der Nattern:
Die Äskulapnatter ist harmlos aber kann eine recht beachtliche Länge von 3 Metern erreichen. Die Ringelnatter ist am verbreitetsten und lebt vorwiegend im Wasser. Die Schlingnatter ist ebenfalls harmlos, aber wird oft mit der Kreuzotter verwechselt, da sie ein ähnliches Muster auf dem Rücken trägt. Die vierte Art ist die Würfelnatter. Sie ist ebenfalls harmlos für den Menschen und gehört der Gattung der Europäischen Wassernattern an. In der Schweiz leben noch zwei weitere Natternartern. Die gelbgrüne Zornnatter besitzt zwar kein Gift, aber sie beißt trotzdem zu, wenn sie sich bedroht fühlt. Daher hat sie ihren Namen. Ein Biss kann auch ohne Gift durchaus schmerzhaft sein. Weiterhin lebt in der Schweiz noch die Vipernatter.Wovon ernähren sich Nattern?
Nattern ernähren sich von vielen verschiedenen Beutetieren. Sehr häufig jagen sie kleine Tiere wie Mäuse, Ratten und Vögel von relativ geringer Größe. Auch wirbellose Insekten wie Grashüpfer, Asseln und Würmer zählen zu ihrem Speiseplan. Häufig kommt es auch vor, dass sie kleine andere Reptilien wie zum Beispiel Echsen fressen. Aber auch die Tiere anderer Klassen wie die Amphibien (insbesondere Frösche) und die Fische sind vor ihnen nicht sicher. Die letztgenannten werden insbesondere von den im Wasser lebenden Nattern gejagt.

Es ist allerdings sehr selten so, dass eine Natternart das gesamte Beutespektrum abdeckt. Im Normalfall haben sie sich eher auf eine oder mehrere Beutetierarten spezialisiert. Die Afrikanische Eierschlange zum Beispiel, ernährt sich ausschließlich von Vogeleiern.
Bis die Beute verdaut ist und schließlich als Energie umgesetzt wird, kann es bei den Nattern sehr lange dauern, da sie wie schon erwähnt zu den Kaltblütern gehören. Vom Fressen der Beute bis zum energetischen Nutzen, den die Schlange daraus zieht, vergehen unter Umständen Wochen. Deshalb sind sie auch sehr genügsam und können schon von zwei Mäusen einen ganzen Monat lang leben.
In der Jagdweise unterscheiden sich die Nattern teilweise stark. Im Normalfall ist es aber so, dass sie mit Hilfe ihres Geruchsinns der Beute so lange nachstellen, bis sie sie gefunden haben. Dann beißen sie zu und halten das Beutetier so fest. Falls die Schlange kein Gift besitzt, muss es erwürgt und dann hinuntergeschluckt werden. Ansonsten kann es einfach so lange festgehalten werden, bis das Gift seine tödliche Wirkung entfaltet.
Manche Schlangen setzen sich auch einfach auf einen Ast oder eine andere versteckte Position und warten darauf, dass ein Vogel oder ein anderes Beutetier vorbeikommt. Dann schlagen sie im Bruchteil einer Sekunde zu und beißen ihr Opfer.
Die Lebensweise
Die Schlangen der Familie der Nattern sind überwiegend tagaktive Tiere, wobei es auch einige nachtaktive Arten gibt. Besonders in Wüstengebieten lebende Schlangen sind oft in der Nacht oder während der Dämmerung aktiv, da tagsüber die Temperatur viel zu heiß wären.
Für die benötigten Ruhephasen suchen die Tiere unterschiedliche Verstecke auf. Nattern die den Erdboden bewohnen, ziehen sich meist unter abgefallene Baumrinden, Falllaub oder Äste zurück. Erdhöhlen und Steine werden aber auch als Versteck gerne genutzt. Kletternde Arten nutzen als Ruhestätte meist Baumhöhlen oder hohle Baumstämme. Nattern die in der Nähe des Menschens leben, lassen sich auch in leerstehenden Schuppen oder Hütten nieder.
Viele Nattern können sehr aggressiv werden, wenn sie in die enge getrieben werden und beißen zur Verteidigung blitzschnell zu. Die meisten Arten verteidigen sich aber durch Flucht. Deshalb bekommt man die Schlangen auch eher selten zu Gesicht, da sie meist bereits verschwunden sind, wenn man in ihre Nähe kommt. Sie können aber auch regungslos ausharren und fallen oft durch ihre perfekte Tarnung gar nicht auf.
Fortbewegung
Nattern besitzen verschiedene Weisen, sich fortzubewegen und können so in allen Lebensräumen die für sie interessanten Punkte erreichen. Da sie zu den Reptilien gehören, kriechen sie generell, wobei es allerdings verschiedene Varianten gibt. Meistens schlängeln sie sich. Dazu sorgen sie mit den Schuppen für einen guten Bodenkontakt und ziehen dann ihre Muskeln schnell auseinander und wieder zusammen. So ist es ihnen möglich, relativ schnell voranzukommen.
Eine andere Möglichkeit ist das Ziehharmonika-Kriechen. Dabei wird der schlauchförmige Körper erst zusammengezogen und dann ausgestreckt, was insbesondere beim Klettern sehr nützlich sein kann. Dabei sorgen die Schlangen mit ihren Bauchschuppen zusätzlich für den notwendigen Halt. Zum Schwimmen sind die Nattern ebenfalls in der Lage, wobei sie sich wieder hin und her winden.
By (User:Alma) (own picture, made with Nikon D60) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Einige Nattern besitzen auch noch eine Art „Segeln“. Dazu klettern sie auf einen hohen Baum und benutzen ihren Körper dann wie einen Gleitschirm um zum nächsten Baum zu fliegen. Diese Art der Fortbewegung kommt nur bei den Schmuckbaumnattern vor, die hauptsächlich im Südosten Asiens leben.
Überwinterung
Die Schlangen, die in den gemäßigteren Klimazonen leben, halten in der kalten Jahreszeit normalerweise eine Winterruhe. Dabei wird die Körpertemperatur sehr weit nach unten gefahren und die Schlange wird fast vollkommen inaktiv, das bedeutet sie frisst nicht und bleibt bewegungslos. Oft suchen sie Höhlen unter der Erde auf. Fällt die Temperatur ihrer Umgebung trotzdem mal auf unter 0 Grad Celsius, dann sterben die Schlangen.
Wie pflanzen sich die Nattern fort?
Nattern legen wie die meisten anderen Schlangen im Normalfall Eier. Allerdings variiert die Zeit der Paarung entsprechend der Klimazone, in der sich die Schlangen befinden. In den nördlichen Klimazonen findet sie meist zwischen Mai und Juli statt, während in den Tropen die Regen- und die Trockenzeit ausschlaggebend sind. Das Weibchen nutzt Pheromone um das Männchen anzuziehen und wird dann von diesem so lange umworben, bis es schließlich zur Paarung kommt.
Die Schlangen legen die Eier in einem speziellen Unterschlupf, der eine bestimmte Temperatur und Feuchtigkeit aufweisen muss.
Allerdings gibt es auch Nattern, die ihre Jungen lebend gebären, was allerdings sehr selten ist. Ein Beispiel hierfür ist die auch in Deutschland vorkommende Schlingnatter.
Am Leben gehalten werden die jungen Schlangen in der ersten Zeit von dem Eidotter, der ihnen als Nahrung dient. Fortpflanzungsfähig werden sie nach ein bis drei Jahren. Während sie wachsen häuten sie sich außerdem regelmäßig. Dabei bildet sich eine neue Haut bevor die alte schließlich abgestreift wird und in der Natur liegen bleibt. Kurz vor der Häutung bekommen die Augen der Schlangen eine weißliche Farbe, da eine Flüssigkeit sich dort anlagert, die die Häutung unterstützt.
Die Schlangen können bis zu 30 Jahre alt werden.
Fressfeinde und andere Bedrohungen
Die Nattern haben oft an Parasiten zu leiden, die für sie aber nicht unbedingt lebensbedrohlich sein müssen. Häufig setzen sich Milben, Spinnentiere und Zecken zwischen ihren Schuppen fest und saugen am Blut der Schlangen. Häufig werden ihre zur Verdauung dienenden Organe auch von Fadenwürmern befallen, die ihnen häufig einen guten Teil ihrer Beute stehlen. Auch Pilze können den Nattern schaden.
Die häufigste Krankheit bei den Schlangen ist die Legenot. Diese tritt besonders bei sehr kalten Außentemperaturen auf. Hier sind die Schlangen nicht mehr fähig, genügend Energie aufzubringen, um die Eier zu legen und sterben deswegen. Meistens ist auch durch den Menschen keine Heilung mehr möglich.
Die Nattern haben verschiedene Fressfeinde. Besonders häufig sind hier Greifvögel wie Bussarde und Falken. Aber auch Säugetiere wie zum Beispiel Füchse und Marder können ihnen gefährlich werden. Königsnattern verschlingen außerdem gerne kleinere Mitglieder ihrer Familie, was man unter Menschen als Kannibalismus bezeichnen würde.
Hier eine kleine Auswahl an weiteren natürlichen Feinden:
- Katzen
- Wäschbären
- Rotmilan
- Graureiher
- Wiesel
- Lachmöwen
- Iltis
- Dachs
Gefährdung und Artenschutz
Viele Menschen haben große Angst vor Schlangen. Deshalb reagieren sie oft auch auf Nattern sehr übertrieben, indem sie sie totschlagen. In den meisten Fällen wäre das aber gar nicht notwendig, da die Nattern erstens zum großen Teil nicht giftig sind und zweitens genauso viel Angst vor den Menschen haben und durch die Schläge nur an ihrer Flucht gehindert werden. Das macht den Menschen zu einem der gefährlichsten Gegner dieser Tiere.
Mehrere Nattern stehen in Deutschland unter Artenschutz und dürfen nicht getötet werden. Hat man trotzdem große Angst vor ihnen kann man sie von der Feuerwehr wegbringen lassen. Ansonsten kann man sie bei einer Konfrontation auch selber aus dem eigenen Garten tragen. In verschiedenen Gebieten werden außerdem Straßenunterführungen für die Tiere gegraben.
- Strumpfbandnatter
- Kornnatter
- Königsnatter
- Hakennasennatter
- Grassnatter