Schlangenbiss: Symptome, Erstmaßnahmen, Häufigkeit und Vorbeugung
Schlangen sind so gut wie überall auf unserem Planeten anzutreffen. Es gibt sie in zahlreichen Unterarten und in den unterschiedlichsten Größen. Normalerweise beißen sie nur zu, um Ihre natürliche Beute zu erlegen. Fühlt sich die Schlange aber vom Menschen bedroht oder in die Enge getrieben, setzt sie sich zur Wehr. Dabei kann der Schlangenbiss für den Menschen harmlos bis absolut tödlich sein.
Häufig begegnen sich Mensch und Reptil durch unglückliche Fügung während der warmen Frühjahrszeit. Allein die Vorstellung einer Verletzung durch ein solches Tier auf Wanderschaft abseits der Zivilisation löst bei vielen Personen großes Unbehagen aus.
Besonnenes Handeln kann bei einem Schlangenbiss aber Leben retten und selbst bei giftigen Exemplaren besteht durch einen Schlangenbiss nicht immer Lebensgefahr. Die folgenden Zeilen klären darüber auf, was bei einem Schlangenbiss zu tun ist.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Schlangenbiss?

By Bunny Jager (Ow) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
Als Schlangenbiss gilt allgemein eine Bissverletzung durch eine Schlange. Es ist zunächst völlig irrelevant, ob das betreffende Reptil über ein Gift zur Abwehr oder Lähmung ihrer Feinde besitzt. Selbst bei einer zufälligen Begegnung mit einer Giftschlange setzt das Tier nicht zwangsläufig sein gefährliches Sekret frei.
Wenn bei einem Schlangenbiss Gift fließt, wird es von einer Giftdrüse über einen kleinen Kanal in ihren Zähnen in die Wunde des Opfers injiziert. In ungefähr jedem zweiten Fall ist zumindest der erste Biss ungiftig. Durch eine rein physikalische Attacke, auch als trockener Schlangenbiss bezeichnet, versucht die Schlange ihr unliebsames Ziel zu verjagen, ohne dabei wertvolle Giftreserven für die Beutejagd zu vergeuden.
Wann und warum beißt eine Schlange zu?
Schlangen sind von Natur aus Jäger und besitzen ein scheues Verhalten gegenüber dem Menschen. Ihr stark ausgeprägter Geruchssinn hilft ihnen bei der Orientierung. Dank diesem oder einer guten Tarnung gelingt es den Tieren meistens, sich den Blicken des Menschen zu entziehen. Eine Ausnahme stellen große Würgeschlangen dar, die sehr großes Wild verschlingen und somit auch dem Homo Sapiens als mögliche Beute ansehen könnte.
Die übrigen Arten greifen meist aus Notwehr oder aus einer völlig überraschenden Situation heraus an. Abhängig von der Spezies existieren durchaus aber auch angriffslustige Charakteristiken, aber auch sehr zurückhaltende Schlangenarten sind vertreten. Allgemein gehen die Tiere in die Offensive, wenn sie stark durch die Präsenz eines Menschen gereizt werden oder sich in die Enge getrieben fühlen.
Die Reptilien sind vornehmlich während der Dämmerung oder in der Nacht aktiv. Vor allem bei ansteigenden Temperaturen im Frühling und Sommer zeigen sie eine rege Aktivität, erwachen aus der Winterstarre, gehen auf Beutezug und kümmern sich um den Erhalt ihrer Art. Exakt in dieser Zeit gehen ebenfalls Menschen verstärkt ins Freie und dringen meist unbewusst in den natürlichen Lebensraum der Schlangen ein. Die Wahrscheinlichkeit auf einen Schlangenbiss steigt dann daher deutlich an.
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Bei einem Zusammentreffen von Mensch und Schlange, führen hektische Bewegungen meist zu einer aggressiven Gegenreaktion. Gegenüber einer kampfbereiten Schlange sollte möglichst langsam eine sichere Distanz aufgebaut werden. In dicht besiedelten Gebieten mit feuchtwarmem Klima kommt es gehäufter zu Begegnungen in Vorgärten, wo die Tiere versuchen, an schattigen Engstellen ein Nest für ihre zukünftigen Nachkommen einzurichten.
Welche Symptome können nach einem Schlangenbiss auftreten?

Eine eindeutige Aussage zu den Symptomen fällt aufgrund der hohen Anzahl an Schlangenarten und Toxinen schwer. Ein wichtiges Kriterium für den Verlauf einer Vergiftung bleibt die körperliche Grundverfassung des Opfers sowie die Menge des verabreichten Giftes. Nicht jede toxische Substanz ist auch beim Menschen wirksam.
Besonders gefährliche Sorten lähmen das Opfer durch Beeinflussung der Nerven und des Muskelgewebes. Ein Kreislaufkollaps durch Stillstand des Herzens oder der Atmung führt ohne Gegenbehandlung in der Regel zum Tod. Direkt nach einem Schlangenbiss entstehen unmittelbar schmerzhafte Entzündungsherde an der Eintrittswunde. Je nach Lokalisation kommt es zu einer verstärkten Blutung mit nachträglicher Schwellung des umliegenden Gewebes. Zell- und Gewebsschäden bis hin zur Nekrose treten nach wenigen Minuten oder auch erst nach Stunden in Erscheinung.
Neurotoxine greifen primär das Nervensystem an und sorgen für Lähmungserscheinungen. Typische Begleitsymptome sind Orientierungsprobleme, großer Durst, Kopfschmerzen und eine herabgesetzte Sehfähigkeit. Hämotoxine beeinträchtigen hingegen primär das Blut und provozieren Störungen bei der Blutgerinnung. Dies kann zu inneren Blutungen führen oder die Entstehung einer gefährlichen Thrombose begünstigen.
Allgemeine Kennzeichen bei jeder Art von Schlangengift sind eine ausgeprägte Übelkeit mit Erbrechen, Durchfall und ein gesteigerter Herzschlag als Folge von Angst und Verunsicherung. Bei Kontakt mit den Augen durch geschleuderte Gifte kann es zur vollständigen Erblindung kommen. Selbst bei einem ungiftigen Schlangenbiss sorgt die Furcht vor der potenziellen Gefahr häufig für Schockzustände bei betroffenen Personen. Diese können nicht einschätzen, ob sie tatsächlich vergiftet wurden oder lediglich einen trockenen Biss erlitten haben. Auf schwachen und eigentlich nicht lebensbedrohlichen Infektionen kann dennoch eine bedrohliche Reaktion des Körpers folgen. Menschen mit allergischem Verhalten auf den Schlangenbiss gehören unverzüglich in medizinische Behandlung.
Welche Erstmaßnahmen sollte man nach einem Schlangenbiss ergreifen?
Unmittelbar nach einem erfolgten Schlangenbiss ist ein erhöhter Sicherheitsabstand zu dem Aggressor von großer Wichtigkeit. Zusätzliche Bisse senken die Überlebenschancen sonst drastisch herab. Nur bei ausreichender Distanz lässt das Tier von seinem Ziel ab. Eine möglichst genaue Beschreibung der Schlange kann sich bei späterer Behandlung im Hospital als nützlich erweisen.
Direkt nach dem Biss muss die körperliche Aktivitäten eingestellt, der verwundete Körperteil tief gelegt und der Kreislauf beruhigt werden. Dank Ruhe und verringerter Herzaktivität verteilt sich das Gift im Körper deutlich langsamer. Das Opfer gewinnt dadurch wertvolle Zeit bis zum Eintreffen von Rettungskräften. Eine fortlaufende Markierung der Eintrittsstelle und der sich ausbreitenden Schwellung mithilfe eines Filzstiftes ist ebenfalls zum Zweck der Dokumentation ratsam.
Als erste Hilfsmaßnahme beugt eine Desinfektion der Wunde vor zusätzlichen Entzündungen vor.
Vorsicht: Eine intensive Spülung mit Wasser führt meist zu einer Verschlechterung des Zustandes. Ein leicht feuchtes Tuch und eine behutsame Reinigung genügen vollkommen.
Danach sollte der Bereich mit einem sauberen Stück Stoff oder Verband verdeckt werden. Maßnahmen wie das Aussaugen, Abschneiden oder stramme Verbinden der Verletzung helfen nicht bei der Bekämpfung des Giftes und stellen ein zusätzliches Risiko dar. Der Bekanntheitsgrad dieser Methoden stammt meist von dramatisierten Filmdarstellungen und haben in einer realen Notlage keinen Nutzen. Das Malträtieren der Wunde führt eher zu einer intensiveren Entzündung. Viel wichtiger ist das sofortige Absetzen eines Notrufes oder Aufsuchen von Hilfe in direkter Umgebung, da die Zeit als entscheidender Faktor für einen erfolgreiche Heilung gilt.
Schmuckstücke wie eng anliegende Ringe oder Armreife, aber auch Kleidung sollten gelockert oder vollständig abgelegt werden. Ein toxischer Schlangenbiss führt zu einer Vielzahl an Schwellungen über den ganzen Körper hinweg. Im Ernstfall entstehen schmerzhafte Engpässe in kritischen Körperregionen.
Wie häufig werden Menschen gebissen und wie viele sterben an einem Schlangenbiss?
Eine exakte Erhebung von Unfällen mit Schlangen und tödlichen Verläufen existiert nicht. Grund hierfür sind die hohe Anzahl an unterschiedlichen Schlangenarten sowie Giften. Meist melden Opfer diese Bisse nicht den zuständigen Behörden, weshalb nur grobe Schätzungen bezüglich der Häufigkeit von Bissen und deren Folgen für die Statistik herangezogen werden können.
Besonders giftige Vertreter der Schlangen siedeln sich in warmen, tropischen Gebieten an. Dort sind deshalb tendenziell die meisten Todesfälle zu verzeichnen. Ungefähr 2,5 Millionen Bisse am Menschen kommen pro Jahr vor, wovon jedoch nur etwa 5 % einen tödlichen Verlauf nehmen. Eine Häufung der Fälle tritt vor allem zur Sommerzeit bei jungen Männern auf. In welchen Regionen Menschen gehäuft von Schlangen gebissen werden und dabei vergiftet werden, können Sie der folgenden Grafik entnehmen:

Für die meisten Schlangenbisse mit Todesfolge, ist übrigens die Gemeine Sandrasselotter verantwortlich. Sie zählt zu den giftigsten Schlangen der Welt und ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von West- und Nordafrika über den Mittleren Osten nach Pakistan, Indien und bis nach Sri Lanka.
Wie kann man einem Schlangenbiss vorbeugen?
In der Regel sollten Spaziergänge in Risikogebieten nicht abseits von befestigten Wegen erfolgen. Zusätzliche Schutzkleidung schützt Menschen vor allem an Fuß und Beinen vor einem Schlangenbiss. Hohes und festes Schuhwerk kann einen Schlangenbiss oftmals effektiv abwehren. Meist greifen die Tiere aus niedriger Position völlig überraschend an und bevorzugen dabei Bereiche in der Nähe des Knöchels. Auf Wanderwegen sind zudem Gebüsche oder hohe Gräser strikt zu vermeiden. Auch auf großen Bäumen können die Reptilien lauern.
Als ein exzellentes Mittel zur Prävention vor dem Schlangenbiss dient der Wanderstock. Dessen Führung vor dem vorderen Fuß scheucht Schlangen rechtzeitig auf oder zieht im Notfall die Aufmerksamkeit des Tieres auf sich. Spezielle Gamaschen schützen zudem die kompletten Unterschenkel vor einem Schlangenbiss und stellen eine sinnvolle Investition in gefährdeten Zonen dar.
Beim Aufeinandertreffen darf die Schlange niemals bedrängt werden. Ein ausreichend großer Fluchtkorridor entschärft die meisten Konfliktsituationen automatisch. Bodenkontakt von Schlafstätten in Zeltlagern gelten als tabu. Ebenso hilft eine regelmäßige Entsorgung von Abfällen, Beutetiere der Schlange von dem Lager fernzuhalten. Bei schlechter Sicht empfiehlt sich zudem die Nutzung einer Taschenlampe.
Welche Giftschlangen leben in Deutschland und wie gefährlich ist ein Schlangenbiss?
Vorerst Entwarnung: Extrem giftige Schlangen wie die Königskobra leben nicht in Deutschland oder den benachbarten Ländern. Auf deutschem Boden haben sich insgesamt sechs Schlangenarten eingelebt. Davon gelten nur die Schlangenbisse der Kreuzotter und der Aspisviper als toxisch.
In der Regel verläuft ein Schlangenbiss dieser beiden Arten beim Menschen unangenehm, aber nicht tödlich. Häufige Symptome sind schmerzhafte Schwellungen im Bereich der Wunde. Geschwächte Menschen oder junge Kinder benötigen dennoch schnelle, medizinische Versorgung. Vor allem bei der Aspisviper bleibt die Gabe eines Antiserum zur Neutralisierung des Giftes ratsam. Kreuzottern offenbaren sich dem Menschen selten und gelten als zurückgezogene Lebewesen. Beide Arten sind relativ selten anzutreffen.